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KIStrategie

Mensch oder Maschine — spielt es eine Rolle?

Jamin Mahmood-Wiebe

Jamin Mahmood-Wiebe

Eine Holzwerkbank mit handgefertigtem und maschinell hergestelltem Stuhl nebeneinander in warmem Studiolicht
Artikel

Mensch oder Maschine — spielt es eine Rolle, wer etwas erschafft?

Stellen Sie sich vor, Sie trinken einen Espresso in Neapel. Perfekte Crema, genau die richtige Temperatur. Dann erfahren Sie: Der Espresso wurde nicht von einem Barista zubereitet, sondern vollautomatisch von einer Maschine.

Schmeckt er jetzt schlechter?

Rational wissen Sie: nein. Der Espresso ist derselbe. Und trotzdem verändert sich etwas in Ihrer Wahrnehmung. Dieses „etwas" ist der Kern einer Debatte, die gerade fast jede Branche erfasst — von Software über Texte bis zu Kunst und Handwerk.

Die funktionale Wahrheit

Bei IJONIS in Hamburg erleben wir diese Debatte täglich — in Kundenprojekten, in der eigenen Content-Produktion, in der Softwareentwicklung. Die Antwort, die wir gefunden haben, ist differenzierter als die meisten vermuten. Beginnen wir mit einer unbequemen Feststellung: Die meisten Arbeitsergebnisse sind funktional. Sie sollen einen Zweck erfüllen. Eine Landingpage soll konvertieren. Ein Vertragsentwurf soll rechtssicher sein. Eine API soll Daten zuverlässig liefern. Ein Blogartikel soll informieren und ranken.

Wenn ein KI-Agent eine Landingpage erstellt, die 12 % besser konvertiert als die von einem Menschen geschriebene — interessiert es den Geschäftsführer, wer den Text verfasst hat? In der Regel nicht. Und das ist keine Dystopie. Das ist Pragmatismus.

Dieselbe Logik gilt für Code. In unserem Artikel über Vibe Coding beschreiben wir, wie KI-gestütztes Programmieren Produktivitätsgewinne von 30–80 % ermöglicht. Der Code funktioniert. Er besteht die Tests. Die Software läuft. Ob ein Mensch oder eine KI den Code geschrieben hat, sieht der Endnutzer nicht — und es ist ihm egal.

Das ist die funktionale Wahrheit: Wenn das Ergebnis den Zweck erfüllt, ist der Urheber irrelevant.

Zumindest auf den ersten Blick.

Warum wir uns trotzdem dagegen wehren

Eine Studie der Columbia Business School zeigt ein faszinierendes Paradox. Wenn Teilnehmende Kunstwerke ohne Quellenangabe bewerten, bevorzugen sie KI-generierte Werke in fast 45 % der Fälle. Sobald sie jedoch erfahren, dass ein Werk von einer KI stammt, sinkt die Bewertung um durchschnittlich 62 %. Nicht das Werk hat sich verändert — nur unser Wissen darüber.

Warum? Weil wir in menschengemachte Arbeit etwas hineinprojizieren, das über das Ergebnis hinausgeht: Mühe. Absicht. Entscheidungen. Opfer.

Wenn ein Tischler einen Stuhl baut, steckt darin nicht nur ein Möbelstück — sondern Jahre des Lernens, geschnittene Finger, das Wissen um Holzarten, die bewusste Entscheidung für eine bestimmte Verbindungstechnik. Der Stuhl trägt eine Geschichte. Und diese Geschichte hat Wert — nicht weil der Stuhl dadurch besser funktioniert, sondern weil sie ihn menschlich macht.

ℹ️

Das Provenienz-Paradox

In der Kunstwelt bestimmt die Herkunft eines Werkes (Provenienz) seinen Wert oft stärker als seine ästhetische Qualität. Eine identische Kopie eines Rembrandt ist technisch gleichwertig — aber sie ist nahezu wertlos. Nicht wegen des Bildes, sondern wegen der Geschichte dahinter.

Das erklärt, warum bestimmte Berufsgruppen besonders heftig reagieren, wenn KI in ihr Territorium eindringt.

Die Branchen, die sich am meisten wehren

Die stärkste Abwehr kommt nicht dort, wo die funktionale Qualität am meisten leidet — sondern dort, wo die Identität am engsten mit dem Handwerk verknüpft ist.

Illustration und Design. Als Marvel Studios die Titelsequenz von Secret Invasion als KI-generiert bewarb, war der Backlash sofort da — auch von Künstlerinnen und Künstlern, die an der Serie mitgearbeitet hatten. Es ging nicht um die Qualität der Sequenz. Es ging um die Botschaft: Eure Arbeit ist ersetzbar.

Fotografie. Produktfotos, Immobilienbilder, Headshots — KI kann sie bereits in vielen Fällen ersetzen. Aber eine Hochzeitsfotografin wird Ihnen sagen: Ich war in dem Moment da. Ich habe diesen Blick eingefangen. Das kann keine Maschine. Und sie hat recht — nicht weil die Maschine das Bild technisch nicht erzeugen könnte, sondern weil die Anwesenheit eines Menschen Teil des Wertes ist.

Texterstellung und Journalismus. In Hollywood führte die Debatte zum Autorenstreik mit konkreten Regelungen: KI darf kein literarisches Material verfassen und bekommt keine Autorennennung. Nicht weil die Texte schlecht wären — sondern weil das Schreiben als zutiefst menschlicher Akt betrachtet wird.

62 %Wertverlust bei KI-Label
45 %wählen KI-Kunst (ohne Label)
33 %der Suchanfragen durch KI-Agenten

Die Gemeinsamkeit: In all diesen Bereichen ist das Endprodukt nicht der einzige Wertträger. Der Prozess, die Person, die Absicht — sie sind Teil des Produkts. Wer das ignoriert, verwechselt Wert mit Funktion.

Wo KI tatsächlich nicht mithalten kann

Jenseits der Wahrnehmungsfrage gibt es Bereiche, in denen KI-Ergebnisse tatsächlich qualitativ hinter menschlicher Arbeit zurückbleiben — nicht wegen fehlender Rechenleistung, sondern wegen fehlender Erfahrung. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil sie objektiv messbar ist und nicht nur auf Gefühlen basiert.

Emotionale Tiefe in Erzählungen. KI kann Muster emotionaler Sprache reproduzieren — aber sie versteht nicht, warum eine bestimmte Geschichte erzählt werden muss. Es fehlt ihr die Intentionalität. Menschliche Autorinnen und Autoren schreiben, weil etwas in ihnen drängt: eine Erfahrung, eine Überzeugung, eine Wut. KI schreibt, weil sie aufgefordert wird. Das merkt man. Nicht immer auf den ersten Blick, aber in der Tiefe.

Kulturelle Sensibilität und Nuance. KI scheitert regelmäßig an Sarkasmus, kulturellen Untertönen und den feinen Verschiebungen in der Bedeutung, die ein Wort in unterschiedlichen Kontexten annehmen kann. Ein deutsches „Na ja" kann Zustimmung, Resignation oder Ironie bedeuten — je nach Tonfall, Kontext und Beziehung. Für eine KI ist es eine Zeichenkette.

Das Unerwartete. Die radikalsten kreativen Durchbrüche kommen nicht aus der Optimierung von Bestehendem, sondern aus Regelbrüchen. Punk war kein optimiertes Rock-Muster. Brutalismus war keine verfeinerte Architektur. KI kann remixen und rekombinieren — aber sie bricht keine Regeln, weil sie keine Regeln versteht. Sie kennt nur Wahrscheinlichkeiten.

Handwerk als physisches Erlebnis. Ein handgefertigter Ledergürtel fühlt sich anders an als ein maschinell produzierter — nicht nur metaphorisch, sondern buchstäblich. Die Unregelmäßigkeiten sind keine Fehler, sie sind Signaturen. In der Luxusindustrie wird diese „schöne Unvollkommenheit" aktiv gesucht: Schuhe von Hand zu fertigen erfordert Intuition, Sensibilität und Erfahrung, die KI nicht replizieren kann.

Ergebnis vs. Erlebnis: Wo KI gewinnt und wo der Mensch unersetzlich bleibt

Die folgende Übersicht zeigt, wo KI-generierte Arbeit gleichwertig oder überlegen ist — und wo menschliche Urheberschaft den entscheidenden Unterschied macht:

Die eigentliche Frage

Die Debatte „Mensch vs. KI" führt in die Irre, weil sie eine falsche Dichotomie aufbaut. Die produktivere Frage ist: Wofür genau bezahle ich?

Wenn Sie für ein Ergebnis bezahlen — eine funktionierende App, einen SEO-Text, einen Vertragsentwurf — dann ist der Urheber so relevant wie der Name des Mechanikers, der Ihr Auto repariert hat. Funktioniert es? Gut.

Wenn Sie für ein Erlebnis bezahlen — ein handgefertigtes Möbelstück, ein Hochzeitsfoto, einen Roman — dann ist der menschliche Urheber Teil des Wertes. Nicht als romantische Überhöhung, sondern als realer Bestandteil dessen, was Sie erwerben.

Das Problem entsteht, wenn wir die Kategorien verwechseln:

  • Menschliche Arbeit bei funktionalen Aufgaben verteidigen, nur weil es sich richtig anfühlt — obwohl das Ergebnis mit KI schneller, günstiger und manchmal besser wäre.
  • KI bei erlebnisorientierten Aufgaben einsetzen, weil es effizienter erscheint — obwohl der menschliche Anteil genau das ist, wofür bezahlt wird.

Beide Fehler kommen vor. Beide kosten Geld, Zeit oder Vertrauen.

Was das für Unternehmen bedeutet

Für mittelständische Unternehmen, die gerade ihre KI-Strategie entwickeln, hat diese Unterscheidung konkrete Konsequenzen:

  1. Automatisieren Sie, was funktional ist. Interne Berichte, Code-Reviews, Datenanalysen, Erstfassungen von Dokumenten — überall dort, wo das Ergebnis zählt und nicht der Prozess, ist KI nicht nur akzeptabel, sondern überlegen.

  2. Schützen Sie, was menschlich bleiben muss. Kundengespräche, kreative Markenarbeit, Handwerk mit Signaturcharakter — hier ist der menschliche Anteil kein Kostenfaktor, sondern ein Alleinstellungsmerkmal.

  3. Seien Sie transparent. Die Forschung zeigt eindeutig: Transparenz über den Einsatz von KI ist der wichtigste Faktor für Vertrauen. Wer KI-Inhalte als menschengemacht ausgibt, riskiert mehr als nur Glaubwürdigkeit — in regulierten Branchen riskiert man Compliance.

  4. Machen Sie es zur Stärke. KI-Sichtbarkeit und menschliche Authentizität schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Unternehmen, die KI intelligent für Effizienz nutzen und gleichzeitig menschliche Qualität dort betonen, wo sie zählt, haben einen strategischen Vorteil.

Häufige Fragen zu KI-erstellten Arbeiten

Ist KI-generierter Content schlechter als menschlich erstellter?

Nicht pauschal. Bei funktionalen Aufgaben wie SEO-Texten, Code oder Datenanalysen liefert KI gleichwertige oder bessere Ergebnisse. Bei kreativen Arbeiten, die emotionale Tiefe, kulturelle Nuancen oder persönliche Erfahrung erfordern, bleibt menschliche Arbeit überlegen.

Muss ich offenlegen, wenn KI an einem Werk beteiligt war?

Rechtlich gibt es in der EU noch keine generelle Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte — der EU AI Act regelt primär Hochrisiko-Systeme. Strategisch ist Transparenz jedoch der wichtigste Vertrauensfaktor. Wer KI-Inhalte verschweigt und auffliegt, verliert Glaubwürdigkeit.

Können Kundschaft und Nutzende den Unterschied erkennen?

Oft nicht. Studien zeigen, dass Bewertende ohne Quellenangabe KI-Werke fast genauso häufig bevorzugen wie menschliche. Der Unterschied wird erst relevant, wenn die Herkunft bekannt wird — dann sinkt die wahrgenommene Qualität deutlich.

In welchen Branchen ist die Ablehnung von KI am stärksten?

Illustration, Fotografie, Texterstellung und Luxus-Handwerk zeigen den stärksten Widerstand. Der gemeinsame Nenner: In diesen Branchen ist die berufliche Identität eng mit dem Schaffensprozess verknüpft, und das Ergebnis wird untrennbar mit der Person dahinter verbunden.

„KI verändert nicht, was wir schaffen können — sie verändert, was es bedeutet, etwas geschaffen zu haben." — Jamin Mahmood-Wiebe, IJONIS

Das Fazit ist unbequem — und genau darin liegt sein Wert

Die Frage „Mensch oder Maschine?" hat keine einheitliche Antwort. Und genau das ist die Antwort.

Ja, es gibt Bereiche, in denen es völlig egal ist, ob ein Mensch oder eine Maschine das Ergebnis produziert hat. In diesen Bereichen auf menschlicher Urheberschaft zu bestehen, ist keine Tugend — es ist Ineffizienz.

Und ja, es gibt Bereiche, in denen der menschliche Urheber unersetzlich ist. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil die menschliche Herkunft ein realer, messbarer Teil des Wertes ist.

Die Kunst liegt darin, ehrlich zu unterscheiden, in welcher Kategorie man sich gerade befindet. Und die unbequeme Wahrheit ist: Die meisten von uns überschätzen, wie oft wir in der zweiten Kategorie arbeiten.


Dieser Artikel wurde vollständig von einer KI geschrieben. Falls Sie das gerade überrascht — lesen Sie den Artikel noch einmal.

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