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SoftwareStrategie

SaaS ist tot — zumindest als Wettbewerbsvorteil

Jamin Mahmood-Wiebe

Jamin Mahmood-Wiebe

Ein langes All-you-can-eat-Buffet mit identischen Gerichten unter Neonlicht — daneben ein einzelner, perfekt angerichteter Teller unter warmem Spotlight
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SaaS ist tot — zumindest als Wettbewerbsvorteil

30 Euro. Alles inklusive. Vorspeise, Hauptgang, Dessert — so viel Sie wollen.

Das All-you-can-eat-Buffet klingt nach einem guten Deal. Bis Sie bemerken, dass Sie für 40 Gerichte bezahlen, obwohl Sie nur fünf davon mögen. Dass die Qualität des einen Gerichts, das Sie wirklich wollten, darunter leidet, weil es für tausend Geschmäcker gleichzeitig gekocht werden musste. Und dass der Gast am Nebentisch — Ihr direkter Wettbewerber — genauso dasitzt, genauso isst, genau dasselbe auf dem Teller hat.

Mit demselben 30-Euro-Schein hätten Sie sich ein einzelnes Gericht gegönnt, das genau auf Sie abgestimmt ist. Frisch. Präzise. Besser.

Genau das ist die Lage bei Unternehmenssoftware im Jahr 2026.

Die SaaSpocalypse von Februar 2026 hat das sichtbar gemacht: Der SaaS-Index fiel um 6,5 %, während der S&P 500 um 17,6 % stieg. Investoren haben verstanden, was viele Unternehmensführende noch nicht wahrhaben wollen. SaaS als Kategorie stirbt nicht — aber SaaS als Wettbewerbsvorteil ist bereits tot.

Software als Commodity — das stille Ende einer Ära

Als SaaS in den 2000er-Jahren aufkam, war es eine Revolution. Plötzlich hatten mittelständische Unternehmen Zugang zu CRM-Systemen, Marketing-Automation und Projektmanagement-Tools, die zuvor nur Konzernen vorbehalten waren. Der Zugang war der Vorteil.

Diese Demokratisierung ist abgeschlossen. Und damit ist die Gleichung gekippt.

35 % der Unternehmen haben laut dem Retool Build vs. Buy Report 2026 bereits mindestens ein SaaS-Tool durch eine Eigenentwicklung ersetzt. 78 % planen, 2026 noch mehr selbst zu bauen. PitchBook fasste es prägnant zusammen: "SaaS Is Dead, Long Live SaS" — wobei das neue „S" für Services, nicht mehr für Software steht.

Was dahintersteckt: Wenn jeder Mitbewerber dieselbe Software kaufen kann — zum selben Preis, mit denselben Features, über denselben Anbieter — ist die Software selbst kein Differenzierungsfaktor mehr. Sie ist Infrastruktur. So neutral wie Strom aus der Steckdose.

35 %der Unternehmen haben bereits SaaS durch Eigenentwicklung ersetzt
78 %planen, 2026 mehr selbst zu bauen
90 %günstiger ist Custom-Entwicklung heute dank KI (vs. 2020)

Das HubSpot-Paradox: 100 Features, von denen Sie 10 brauchen

HubSpot ist kein schlechtes Produkt. Im Gegenteil — es ist eines der besten seiner Klasse. Genau das ist das Problem.

Um Hunderttausende Kunden zu bedienen, muss HubSpot für alle Branchen, alle Unternehmensgrößen, alle Prozessmodelle funktionieren. Das erzeugt unvermeidlich Feature-Bloat: Funktionen, die Sie nie anfassen werden, aber mitbezahlen. Und es erzeugt etwas noch Teureres: Kompromisse an den Stellen, die für Sie entscheidend sind.

Ihr Vertriebsprozess ist nicht Standard. Ihr Onboarding-Flow ist nicht Standard. Ihre Art, Leads zu qualifizieren, ist nicht Standard — sonst wären Sie austauschbar. Aber HubSpot ist Standard. Und wer Standardsoftware nutzt, um nicht-standardisierte Prozesse abzubilden, verliert täglich ein bisschen von dem, was ihn einzigartig macht.

Die Kosten davon zeigen sich selten in der Rechnung. Sie zeigen sich in der Antwort auf die Frage: Warum macht unser Team eigentlich so viele manuelle Workarounds?

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Die versteckte Lizenzfalle

HubSpot Sales Hub Professional kostet rund 90 $ pro Seat und Monat. Bei 30 Nutzenden sind das über 32.000 € im Jahr — und das ist nur ein Tool in Ihrem Stack. Mit dem Budget von zwei Jahren können Sie heute dank agentengestützter Entwicklung ein maßgeschneidertes Tool bauen lassen, das genau Ihren Prozess abbildet. Und das Ihnen gehört.

Der maßgeschneiderte Anzug: Was individuelle Software wirklich bedeutet

Es gibt ein Bild, das die Sache trifft: Wenn Sie das Geld von ein bis zwei Jahren HubSpot nehmen und stattdessen in einen maßgeschneiderten Anzug investieren, der sich wie Seidentuch ums Business stülpt — haben Sie nicht nur ein besseres, fokussierteres Tool. Sie haben auch die Ownership und die Fähigkeit, schnell nach Bedarf zu adaptieren.

Individuelle Software ist kein Luxus für Konzerne mit IT-Abteilungen von hundert Personen. Sie ist eine strategische Entscheidung darüber, was zum Asset wird und was Commodity bleibt.

Der Unterschied:

  • SaaS gehört dem Anbieter. Der Anbieter entscheidet über Roadmap, Preise, Features und Abschaltung.
  • Eigenentwicklung gehört Ihnen. Sie entscheiden, was gebaut wird, wann es sich ändert und wo die Daten liegen.

Das klingt abstrakt — bis der SaaS-Anbieter die Preise um 40 % erhöht, ein kritisches Feature hinter einen teureren Plan sperrt oder übernommen wird. Dann ist die Abhängigkeit schmerzhaft konkret.

Volle Datenhoheit ist dabei kein Nice-to-have. Für Unternehmen, die unter DSGVO arbeiten — also alle deutschen Unternehmen — ist die Kontrolle darüber, wo Daten liegen und wer darauf zugreift, ein strategisches und regulatorisches Muss. Mehr dazu in unserem Artikel zur DSGVO-konformen KI mit On-Premise-LLMs.

Die Rechnung, die kaum jemand aufmacht

Hier ist das Gedankenexperiment, das Unternehmensführende selten durchrechnen:

Nehmen Sie Ihren aktuellen SaaS-Stack. Addieren Sie alle Lizenzen — CRM, Marketing-Automation, Projektmanagement, HR-Tool, Reporting-Dashboard. Bei einem mittelständischen Unternehmen mit 30–50 Nutzenden sind das schnell 50.000 bis 100.000 € pro Jahr.

Jetzt die Gegenfrage: Was könnte ein maßgeschneidertes Tool kosten, das genau die 10 Features enthält, die Sie wirklich nutzen — und das Ihre Prozesse abbildet, statt umgekehrt?

Dank agentengestützter Entwicklung sind die Antworten heute radikal andere als noch 2022. Ein fokussiertes Tool für einen konkreten Prozess ist heute in wenigen Wochen für 30.000 bis 60.000 € realisierbar — nicht mehr für das Fünffache. Die Kosten fallen weiter, während die Qualität steigt.

Der Break-even gegenüber SaaS-Lizenzen liegt heute oft bei unter 18 Monaten. Danach gehört jeder Euro den eigenen Prozessen — nicht dem Anbieter-Pricing-Team.

KI macht den Unterschied — Build ist schneller als je zuvor

Was die Gleichung fundamental verschoben hat, ist nicht der Wille, sondern die Machbarkeit.

51 % der Entwicklenden haben bereits Produktions-Tools gebaut, die aktiv von ihren Teams genutzt werden — mit KI-Assistenz, die Entwicklungszyklen um 40 bis 60 % verkürzt. Vibe Coding macht es sogar möglich, dass Fachabteilungen ohne tiefe Programmierkenntnisse Prototypen erstellen, die tatsächlich funktionieren.

Das schafft eine neue Asymmetrie: SaaS-Anbieter müssen für alle bauen. Ihre individuelle Software muss nur für Sie funktionieren.

Das ist ein fundamentaler Unterschied. Ein SaaS-Anbieter, der ein neues Feature entwickelt, muss es für Hunderttausende verschiedene Use Cases absichern, dokumentieren, testen und maintainen. Sie brauchen es nur für einen. Das macht Ihre individuelle Lösung in ihrem spezifischen Kontext unweigerlich besser.

Und KI-Agenten, die tief in Ihre Geschäftslogik eingebettet sind, sind in Standardsoftware schlicht nicht möglich — dafür bräuchten Sie Zugriff auf die Architektur, den Sie bei SaaS nie haben.

Wann individuelle Software keinen Sinn ergibt

Ehrlichkeit ist hier wichtiger als Verkaufsrhetorik: Eigenentwicklung ist nicht immer die richtige Antwort.

Kaufen Sie weiterhin Standardsoftware, wenn:

  • Der Prozess eine Commodity ist — Buchhaltung, E-Mail, Basis-Kollaboration. Hier gibt es keine Differenzierung zu gewinnen.
  • Sie keinen Entwicklungspartner haben und auch keinen aufbauen wollen. Software ohne Wartung ist technische Schulden auf Zeit.
  • Sie die Lösung in Wochen brauchen und der Prozess nicht geschäftskritisch ist.
  • Regulatorische Updates zentral wichtig sind — z. B. Steuersoftware, die Gesetzesänderungen automatisch integriert.
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Faustregel

Commodity-Prozesse kaufen. Differenzierende Prozesse bauen. Alles, was Ihr Wettbewerbsvorteil ist, gehört in Ihre Hand — nicht in die Roadmap eines Anbieters.

Der Einstieg: Nicht alles auf einmal

Der häufigste Fehler ist nicht, zu wenig zu bauen — sondern mit dem falschen Scope zu starten. Wer mit einer Vollplattform beginnt, scheitert an der Komplexität. Wer mit einem konkreten Engpass beginnt, gewinnt schnell.

Der pragmatische Weg in drei Schritten:

  1. Einen Prozess identifizieren, der aktuell mit SaaS-Workarounds läuft — wo manuelle Arbeit entsteht, weil das Tool Ihre Realität nicht abbildet.
  2. In 2 bis 4 Wochen einen Prototypen bauen, der genau diesen Prozess löst. Kein Big-Bang-Projekt, sondern ein validiertes Inkrement.
  3. Iterieren und ausbauen, sobald der ROI sichtbar ist. Der maßgeschneiderte Anzug entsteht Stück für Stück — nicht als einmaliger Großauftrag.

Wo stehen Sie gerade in Ihrer Software-Strategie? Der KI-Readiness-Check hilft Ihnen einzuschätzen, welche Prozesse reif für Eigenentwicklung sind — und welche weiterhin von Standardlösungen profitieren.

Ein hybrider Ansatz ist oft der klügste Einstieg: Standard-ERP für Buchhaltung und Compliance, aber ein maßgeschneidertes Tool für den Prozess, der Ihren Wettbewerbsvorteil ausmacht.

FAQ: Individuelle Software statt SaaS

Ist individuelle Software nicht viel teurer als SaaS?

Initial ja — aber das ist die falsche Zeitachse. Über drei bis fünf Jahre sind die kumulierten SaaS-Lizenzkosten bei mittlerer Komplexität meist höher als Entwicklung plus Wartung einer Eigenentwicklung. Und die Eigenentwicklung skaliert nicht mit Nutzenden-Zahlen — Sie zahlen keine Kopfpauschale.

Was passiert, wenn mein Entwicklungspartner wegfällt?

Das ist die richtige Frage — und der Grund, warum Architektur entscheidend ist. Code, der auf offenen Standards basiert (Next.js, PostgreSQL, REST-APIs), kann von jedem anderen Entwicklungsteam übernommen werden. Vendor Lock-in entsteht durch proprietäre Systeme, nicht durch Eigenentwicklung per se.

Wie lange dauert es, bis etwas produktionsreif ist?

Mit KI-gestützter Entwicklung rechnen wir bei IJONIS mit 8 bis 12 Wochen für eine produktionsreife Lösung. Ein funktionsfähiger Prototyp steht oft in 2 bis 4 Wochen — schnell genug, um den Business Case zu validieren, bevor Sie die volle Investition tätigen.

Muss ich ein internes Entwicklungsteam aufbauen?

Nein. Ein erfahrener Entwicklungspartner kann Aufbau, Hosting und Wartung übernehmen. Sie brauchen intern eine Person, die Anforderungen definiert und Ergebnisse abnimmt — keinen CTO.


SaaS ist nicht tot. Aber die Zeit, in der SaaS-Nutzung ein Wettbewerbsvorteil war, ist vorbei. Was bleibt: die Entscheidung, welche Prozesse Sie mit allen teilen — und welche Ihnen allein gehören.

Sie wollen wissen, welcher Prozess in Ihrem Unternehmen reif für Eigenentwicklung ist? Sprechen Sie mit uns — wir analysieren Ihren konkreten Use Case und liefern eine ehrliche Einschätzung, ob und wo individuelle Software für Sie rechnet.

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